Das erste Mal

Das erste Mal Urlaub im Wohnwagen. Allein mit zwei Kindern. Eine echte Herausforderung! Zugegeben, ich war sehr nervös. Und aufgeregt, ob alles klappt. Ob ich die Fahrt mit dem Wohnwagen hintendran gut hinkriege auf der Autobahn (bisher war ich nur ein paar Mal Landstraße gefahren)? Ob ich vor Ort gut rangieren kann? Und vor allem: Ob mir jemand beim Abkoppeln hilft? Das ist zwar prinzipiell rein technisch kein Problem, man braucht aber etwas Kraft und natürlich bin ich eine äußerst starke Frau, aber eben nicht wonderwoman. 🙂

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Da unser Schwalbennest ja leider noch nicht nutzbar ist, habe ich uns über paulcamper.de einen Wohnwagen von privat gemietet. Für drei Nächte und mit späterer Rückgabemöglichkeit haben wir inklusive Versicherung 150€ bezahlt. Ein bisschen ärgerlich, wenn man bedenkt, dass man ja einen eigenen Wohnwagen hat und die neuen Räder 150€ gekostet hätten und man das Geld eben nicht mal eben so übrig hat… aber wir wollten unbedingt über Pfingsten los, zur Kulturellen Landpartie ins Wendland! Kennt ihr das? Wir fahren da seit Jahren hin, es ist so wunderbar!! Immer zwischen Himmelfahrt und Pfingsten öffnen im ganzen Landkreis Lüchow-Dannenberg viele Kulturbetriebe und Seminarhäuser, Hippiekommunen und Kunsthandwerker, Künstler und Privatleute ihre Türen und bieten ein wirklich tolles Programm für die ganze Familie und natürlich auch für Menschen ohne Familie an. Vom frühmorgendlichen 5-Uhr-Yoga, über Bienenwanderungen, gibt es viel Kunst und Theater, Akrobatik, Jonglage, ganz viel Livemusik und überall sehr leckeres und gutes Essen – natürlich selbstgemacht. Abends kann man sich irgendwo auf einer Wiese niederlassen, ein Konzert anhören und Pizza essen. Wildromantisch und herrlich zum Abschalten, gibt es doch im gesamten Wendland so gut wie keinen Internetempfang! Also bleibt das Handy in der Tasche und man lebt im Augenblick und ist ganz da. Mir tut das sehr gut und es hält noch eine Weile an, wenn man wieder zuhause ist.

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Nun soll es losgehen. Den Wohnwagen holen wir Freitag ab und nach einer kurzen Übergabe geht es auch schon los. Mit der Idee, Freitag vor Pfingsten zu verreisen ist man natürlich nicht allein und so dauert es gefühlt ewig, bis wir aus dem Stadtverkehr herauskommen und auf der Autobahn sind. Der „Troll“, so heißt der Wohnwagen, zuckelt gemütlich hinterher. Man merkt es kaum, dass da was dranhängt. Man muss aber mehr Gas geben beim Anfahren und kann nicht so schnell hochschalten. Und mit dem Leihwohnwagen darf man auch nur 80km/h fahren, die Entschleunigung beginnt also sofort. 😉

Als wir hinter Lüneburg dann endlich auf die Landstraße fahren, tauchen wir sofort ein in ein herrliches Urlaubsgefühl, die Weite der Felder fühlen sich wie eine andere Welt an. Es dauert noch eine Stunde, dann kommen wir auf Claudias Hof an. Den kennen wir schon vom letzten Jahr, damals noch mit Zelt. Claudia betreibt einen Naturerlebnishof in Billerbeck bei Schnega. Dort gibt es viel zu sehen: zwei Pferde, zwei Schafe, ein paar Hühner, zwei nette Hunde und viel, viel Natur drumherum. Claudia hat eine große Wiese hinterm Haus zum Camping freigegeben, direkt an der Pferdeweide (was auch der Grund dafür war, dass meine Tochter unbedingt wieder hierher wollte!). Die Pferde heißen Merlin und Oschi, sie sind schon sehr alt und bekommen hier ihr Gnadenbrot. Das Camping ist hier sehr einfach, es gibt Komposttoiletten und ein Waschbecken, für ganz Mutige auch eine Kaltwasserdusche. Man kann Strom beziehen, wir haben aber bewusst darauf verzichtet. (Übrigens kostet die Übernachtung nur 5€/Nacht, da ist eine kleine Spende für den Hof auf jeden Fall möglich.)

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Wir erreichen also endlich unser Ziel und meine größte Sorge löst sich sofort in Luft auf: Die Einfahrt zur Campingwiese ist doch nicht so schmal wie ich es in Erinnerung hatte und wir können direkt *hubbel-hubbel* auf die Wiese fahren und den Wohnwagen direkt bei den Pferden abstellen. Denen sagen wir natürlich als erstes guten Tag und dann hilft mir prompt ein anderer Camper beim Abkoppeln. Auch diese Sorge war unbegründet. Mein Sohn schnappt sich sofort die Kurbel für die Stützen und dann steht der Wohnwagen. Wir sind angekommen! Es hat alles prima geklappt und war überhaupt kein Problem, ich bin erleichtert und freue mich sehr auf das Wochenende mit meinen Kindern!

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Nachdem das Erlebnishopping letztes Jahr schon fast in Stress ausartete, entscheide ich diesmal, lieber weniger zu machen und dafür länger zu bleiben und alles intensiver wahrzunehmen. Wir schauen uns Theatershows an, Konzerte, eine Akrobatikshow, es wird viel gespielt und abends erst fahren wir erst dann zurück zum Wohnwagen, wenn unsere Schatten schon gaaaaanz lang geworden sind.

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Und ich muss sagen, mit dem Wohnwagen reist es sich toll! Man hat ein Dach über dem Kopf, ein bisschen sein „Zuhause“ dabei, einen Kühlschrank (sehr wichtig!), einen Herd und ganz viel Campingromantik. Abends schlafen wir mit dem Blick auf die Pferdeweide ein und wachen morgens wieder damit auf…

 

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Dann kommt der Tag der Abreise, Pfingstsonntag. Wir fahren also wieder *hubbel-hubbel* über die Wiese, meine Tochter weint ein bisschen. Sie wäre so gern noch geblieben. Am liebsten für immer, hat sie gesagt. Ein bisschen Landweh bekomme ich dann auch, als wir wieder auf die Autobahn auffahren und uns gen Hamburg aufmachen. Aber bei der Einfahrt in den Hafen, den Blick auf die Containerschiffe und die Elbe, fühle ich mich sofort wieder Zuhause und freue mich auf unsere schöne Stadt. Und außerdem bin ich unendlich stolz, dass alles so gut geklappt hat. Dass ich es einfach gemacht habe, obwohl ich vorher wirklich unsicher war.

Den Wohnwagen hatte ich schon vor Ort geputzt und ausgeräumt, so kann ich ihn abends problemlos zurückgeben. Die Erinnerung wirkt jetzt, zwei Wochen später, noch immer nach. Wir wären gern noch länger im Wendland geblieben, aber wir kommen definitiv wieder!! Und nächstes Mal hoffentlich mit unserem eigenen Wohnwagen, mit unserem Schwalbennest. 🙂

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